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Privaten Urlaub |
Wolfgang Moning |
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Liberale Stimmen in Indonesiens Islam Im Schatten muslimischer Extremisten sprießen auch Ideen der Religionsfreiheit und der Menschenrechte
In Indonesien machen Anhänger extremistischer islamistischer
Strömungen mit gewalttätigen Aktionen immer wieder Schlagzeilen. Franz Dähler «Der Islam lehnt Demokratie und Menschenrechte ab, diskriminiert die Frauen.» So lautet eine vorherrschende Meinung. Dabei wird einseitig an Nordafrika und den Nahen Osten gedacht. Doch wie steht es mit Indonesien, das mit seinen 207 Millionen Muslimen zahlenmäßig alle arabischen Länder übertrifft? Dort stehen sich Radikalisierung und Liberalisierung des Islam gegenüber, mit weltweiten Folgen. Islamistische Gewalt «Das Gesetz Gottes muss auf jeden Fall eingeführt werden, auch gegen den Willen des Volkes. Denn es steht über der Demokratie», erklärte Abu Bakar Bashir im September 2006. Der inzwischen verhaftete Islamist leitete eine große Koranschule in Zentraljava und inspirierte den Terroranschlag in Bali vom 12. Oktober 2002 mit über 200 Todesopfern. Seine starke Anhängerschaft will das islamische Gesetz (Scharia) zum Staatsgesetz erheben. Dieser Tendenz folgen einige Provinzregierungen. Sie setzten Teile des islamischen Rechtes durch, so in Aceh, Südsulawesi, Westsumatra, Tangerang. Es handelt sich um Kleidervorschriften für die Frauen, Antipornogesetze und Strafen für Diebstahl, Ehebruch, sexuellen Verkehr vor der Ehe (Auspeitschung in Aceh). Oft werden christliche Kirchen durch die Muslimische Verteidigungsfront (FPI) oder die Bewegung gegen den Abfall vom Islam attackiert, zerstört und in der Folge geschlossen. So geschah es in Bekasi im letzten September mit einer evangelischen Kirche und im Februar dieses Jahres mit zwei Kirchen in Temanggung (Zentraljava). Rückhalt genießen solche Aktionen beim Islamischen Rat der Gelehrten (MUI). Diese Organisation vertritt einen exklusiven Anspruch auf Wahrheit, verbot durch eine Fatwa (Rechtsspruch), an Weihnachtsfeiern teilzunehmen, und verurteilte die Trennung von Religion und Staat, eine für moderne Wissenschaften aufgeschlossene Interpretation des Korans und den Pluralismus der Religionen. Die Gemeinschaft Ahmadiyah, eine kleine Minderheit im Islam, soll nach dem Willen des MUI und der FPI verboten werden. Einige ihrer Moscheen wurden zerstört. Ahmadiyah anerkennt den Koran, bejaht die fünf Pflichten des Islam, hält aber Mohammed nicht für den letzten Propheten. Die Regierung unter Präsident Yudhoyono lässt sich durch diesen radikalen Islam (der neuerdings auch mit Paketbomben operiert) eher einschüchtern, statt auf die ebenfalls festzustellende Strömung der Liberalisierung innerhalb des Islam zu setzen. Das Wort liberal war unter den Regierungen Sukarno (1945–1966) und Suharto (1966–1998) verpönt, weil es an westliche Demokratien erinnerte. Die Autokraten schufen ein repressives Regime. Es ist Zeichen eines wichtigen Umschwunges, dass starke Kräfte im Islam das Wort liberal neu entdecken. Für sie umfasst es Werte wie Religionsfreiheit, Menschenrechte, Demokratie, Säkularisierung. Vielfalt der Religionen «Die Religionsfreiheit verteidigen» heißt eine Dokumentation des Institutes für Religion und Philosophie (LSAF) in Jakarta. Darin kommen 60 muslimische und 10 christliche Autoren zu Wort. Auffallend ist das weite Spektrum von hervorragenden Intellektuellen wie die Rektoren der muslimischen Universitäten von Jakarta und Yogyakarta. Es äußern sich erstrangige Politiker, welche die Demokratiebewegung vorangetrieben haben; so Abdurrahman Wahid (Präsident 1999–2001), Syafii Maarif (2000–2004 Präsident der zweitgrössten muslimischen Volksorganisation, Muhammadiyah), Said Aquil Siraji (Präsident der grössten muslimischen Volksorganisation, NU). Herausfordernd sind die Stimmen von 12 Frauen. Gadis Arivia, Dozentin an der führenden Universitas Indonesia, widerspricht den Kleidervorschriften und empört sich darüber, dass Muslime das Pflichtgebet nur in arabischer Sprache verrichten dürfen. Sie alle wenden sich gegen die Verabsolutierung der Religion, fordern die Trennung von Religion und Staat und eine kontextuelle, nicht wörtliche, sondern den Kulturwissenschaften entsprechende Interpretation des Korans. Sie betonen die in Indonesien gewachsene Vielfalt von Kulturen und Religionen, stützen sich auf den Koran und die Praxis des Propheten Mohammed, dem in Medina eine säkulare, tolerante Struktur der Gesellschaft vorgeschwebt hatte. Für den Geist des Pluralismus werden große Gelehrte aus dem Mittelalter zitiert wie Ibn Arabi, Ibn Rusyd (Averroes) und Jalaluddin al Rumi. Javanische Harmonie Gilt das alles nur für die Intellektuellen? Keineswegs. Der Philosoph Budhy Munawar-Rahman verweist in seinem 2010 erschienenen Buch «Neuorientierung des Islam» auf die bereits erwähnten Volksorganisationen NU und Muhammadiyah. Er erwähnt neun islamische, im Volk verankerte Institute, die sich für die Vision einer humanen, freiheitlichen Gesellschaft einsetzen, so das «liberale Netzwerk» (JIL), die Stiftung Paramadina, die Vereinigung für die Entwicklung von Gesellschaft und Koranschulen (P3M), die vor allem in den Medien und in Schulen wirkt. Sie versuchen, oft gemeinsam mit Christen, karitative Werke und das Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit zu fördern, nach der Vision des Theologen Nurcholish Madjid. Sehr hilfreich ist dabei das javanische Ideal der Harmonie, das die Einheit mit der Natur und die friedliche Vielfalt unter den Kulturen erstrebt. Es kommt nicht von ungefähr, dass der Sultan von Yogyakarta (Zentraljava) alle dort angesiedelten Religionen beschützt, die Ahmadiyah inbegriffen. Der neulich intensivierte Dialog unter den indonesischen Religionen inspiriert zum Einsatz für die Menschenrechte. So publizierten hervorragende Vertreter des Islam, des evangelischen Kirchenbundes (PGI), der katholischen Kirche, des Buddhismus, Hinduismus und Konfuzianismus am 10. Januar 2011 ein Memorandum, das sich gegen die grassierende Armut, Korruption und Umweltzerstörung wendet und über den mangelnden Rechtsschutz beschwert. Die Gruppe traf sich am 17. Januar mit dem Präsidenten zu einer Aussprache. Die Aufstände in Ägypten, Tunesien und Libyen entsprangen nicht dem radikalen Islam, sondern der Leidenschaft für Freiheit und Menschenwürde. Auch die Entwicklung in Indonesien zeigt, dass die Urkraft der Gleichheit und Menschenwürde nicht nur im Westen, sondern auf original muslimischem Boden wächst. Dazu passt die Mail eines Freundes aus Jakarta: Demokratie heißt: hakikimu dan hakikiku adalah sama (im Kern sind du und ich dasselbe). Franz Dähler wirkte während 18 Jahren als Dozent für Religion und Ethik in Indonesien. Er hält dort noch Gastvorlesungen an staatlichen, christlichen und muslimischen Universitäten. Im Appenzeller Verlag ist seine Autobiografie «Der Indozeller» erschienen. ***********************************************************************
Quelle: Watch Indonesia! e.V. ***********************************************************************
Le Monde diplomatique Nr. 9442 vom 11.3.2011
Die erste Auslandsreise als US-Außenministerin
führte Hillary Clinton am 18. Februar 2009 nach Indonesien. Mit
ihrem Besuch in Südostasien
(2) In der ersten Runde der Parlamentswahlen vom
April 2009 erhielt die PKS nur 7,9 Prozent der Stimmen, bei den
Präsidentschaftswahlen
(3) Siehe Robin Bush, "Expressing Islam:
Religious Life and Politics in Indonesia", Singapore (Institute
of Southeast Asian Studies) 2008. Robin Deonal Sinaga, Bielefeld-Bethel
Christliche Kirche unter dem
Islam
Sitzung des
„Ausschusses für Mission und Ökumene“ 1. Vorwort. Unser Thema ist „Christliche Kirche unter dem Islam.“ Es gibt viele Fragen, die mit diesem Thema verbunden sind. Z. B.: Ist es schwierig für die Christen, zusammen mit Muslimen zu leben? Ist es möglich, dass Christen und Muslimen zusammen sitzen, essen und Dialog halten? Gibt es überhaupt religiöse Freiheit in Indonesien? Wie können Christen mit Muslimen zusammen arbeiten? Und viele Fragen mehr … 2. Meine Familie und ich wohnen in Gadderbaum-Bethel. In dieser Gegend wohnen viele Menschen aus verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Religionen und Kulturen. Die Leute, die dort wohnen, kommen aus der Türkei, Irak, Deutschland, Griechenland, Russland, Chile, Süd-Korea und Indonesien und sind Christen, Muslime und Jesiden. Für mich ist es besonders interessant, die Kinder auf dem Spielplatz zu beobachten. 3. Für die Kinder in unserer Umgebung ist der Spielplatz ein Ort der Begegnung, ein multikultureller Ort, in dem es keine Grenzen zwischen Religionen, Nationalitäten und Kulturen gibt. Alles was im Leben dieser Kinder eine Rolle spielt, sollte auch an diesem Ort der Begegnung Beachtung finden. Man weiß nicht, zu welcher Religion ein Kind gehört, wenn es dort spielt. Diese Kinder aber wissen und verstehen, was „fair play“ ist. Sie können miteinander bei ihren Spielen die Regeln so festlegen, dass sie „fair play“ verwirklichen können. 4. Mein Sohn Dylan ist erst 3 ½ Jahre alt. Er kann schon mit anderen älteren Kindern zusammen spielen. Ich vertraue darauf, dass die anderen Kinder auf ihn aufpassen. Ich kann ihn schon mit ihnen allein lassen. Auf diesem Spielplatz kann man sehen, wie die Kinder miteinander spielen, lernen, die Welt entdecken und „fair play, fair leben“ verwirklichen. Ich finde, mein Sohn Dylan entdeckt kleine Schritte zur großen Selbständigkeit, Verständnis und Vertrauen zu Menschen aus verschiedenen Religionen und Kulturen, denen ich ihn anvertraue. Ich will ihn darin begleiten und unterstützen. 5. In einem Podiumsgespräch zum Thema Abendmahl während des 2. Ökumenischen Kirchentags in München sagte der bekannte Theologe Jürgen Moltmann: Erst kommt die Praxis, dann die Theorie. Wir feiern doch nicht unsere Theorie! Dieses Stichwort von Moltmann finde ich sehr richtig und interessant in Bezug auf unser Thema „Missionstheologie im Dialog.“ Aus vielen verschiedenen Veranstaltungen und Konsultationen zu diesem Thema gibt es schon viele gute Statements und Erklärungen. Aber Gewalt, Krieg und Hass, die von den Religionen stammen, bleiben ein großes Problem in unserer Welt. Vielleicht wären anstatt Statements erst Erfahrungen besser, anstatt der Theorie erst die Praxis. Wir sollten von Erfahrungen lernen, damit wir später gute Statements und Erklärungen verfassen können. 6. Ich freue mich, dass ich heute die Gelegenheit habe, Impulse und Erfahrungen aus dem indonesischen Kontext weiterzugeben Zuerst muss ich sagen, dass Indonesien ein großes Land ist. Es ist in dieser kurzen Zeit für mich unmöglich, die allgemeine Situation und die vielen Erfahrungen von den Menschen in Indonesien zu erzählen. Ich will aber diese Zeit nutzen, um wenigstens zwei wichtige Punkte weiterzugeben, die mir sehr interessant erscheinen: 7. Erstens: Ich machte während meines Studiums in Pematang Siantar und auch während meines Dienstes als Gemeindepfarrer in Indonesien persönliche Erfahrungen mit muslimischen Freunden und Nachbarn. 1998 bis 1999 habe ich als Vikar in einem Dorf namens „Gunung Bayu“ gearbeitet. In diesem Dorf leben ungefähr 450 Familien. Etwa 33 sind Christen, und die anderen sind Muslime. Ich wohnte direkt in der Mitte von muslimischen Brüdern und Schwestern. An der linken, rechten, vorderen und hinteren Seite meines Hauses wohnten Muslime. Unsere Kirche lag ganz in der Nähe der Moschee, nur etwa 100 Meter entfernt. In „Gunung Bayu“ konnten wir gut zusammen leben, es gab überhaupt keine religiösen Spannungen. 8. Ich erinnere mich, jeden Morgen früh (vor 5 Uhr) hörte ich die Stimme von der Moschee vor dem Morgengebet. Für mich war die Stimme keine Störung meines Schlafes, sondern eine Hilfe, früh aufzustehen. Es klang auch gut in meinen Ohren. Ich konnte auch früher zu Gott beten und meditieren. Ich habe auch nie gehört, dass die muslimischen Brüder und Schwestern von der Stimme aus unserer Kirche gestört wurden. Ich hoffe, dass sie die Stimmen aus unserer Gemeinde gut ertragen konnten. Darüber hinaus haben wir auch viele Feste zusammen gefeiert und gute Aktionen zusammen durchgeführt. Wir haben uns auch in Alltags-Schwierigkeiten gegenseitig unterstützt und einander geholfen. 9. Solche Erfahrungen sind nicht ungewöhnlich in Indonesien. Tatsächlich ist es ein Teil der alltäglichen Situation an vielen Orten, in denen Muslime, Christen und Angehörige anderer Religionen zusammen leben. Ich glaube, Gott liebt solche farbigen Gesellschaften. Ein Freund, der als Pfarrer auf Java gearbeitet hat, hat mir erzählt, dass der muslimische Imam ihm gesagt habe: Wenn du hier in unserer Umgebung Probleme hast, auch mit euren kirchlichen Aktivitäten, informiere mich einfach, und wir werden zusammen das Problem lösen.
10. Zweitens:
Ich muss aber auch sagen, dass es an vielen Orten in Indonesien
für Angehörige verschiedener Religionen nicht einfach ist,
zusammen zu leben. Es gibt Schwierigkeiten und
Herausforderungen, den Glauben praktisch auszuüben. Es gibt
viele Orte, in denen Christen keine Kirche bauen können, weil
die Mehrheit der Bewohner in der Umgebung der geplanten Kirche
Muslime sind. 11. Wie Sie wissen, sind seit 1998 viele Kirchen in Indonesien von radikalen muslimischen Gruppen verbrannt oder zerstört worden. Es ist eine Tatsache, dass die Radikalisierung des Islam in Indonesien in den letzten zehn Jahren zugenommen hat. Gruppen wie die islamistische Gruppe Laskar Jihad, FPI-Islam-Verteidigungsfront) haben ihre klaren Ziele für Indonesien, und zwar wollen sie das islamische Recht (Sharia) gelten lassen. 12. Indonesien ist ein Land mit mehr als 85 Prozent Muslimen. Der größte Teil von ihnen lebt ihren Glauben tolerant aus. Aber eine Minderheit folgt der strengen Ausübung des Islam nach arabischem Vorbild. Das Grundgesetz Indonesiens garantiert Religionsfreiheit für alle und damit das Recht, eine beliebige Religion zu wählen und zu praktizieren. Doch die Religionsfreiheit wird bedroht durch intensive Islamisierungskampagnen – hinter denen extremistische und fanatische Bewegungen und Gruppen stehen. Der Regierung fällt es oft schwer, gegen diese Aktivitäten vorzugehen. 13. Behörden dulden Diskriminierung und Übergriffe auf religiöse Minderheiten und belangen die Verantwortlichen nicht. Obwohl die Provinz Aceh derzeit die einzige Region ist, in der das islamische Recht (Sharia) gilt, hat sich die Zahl der lokalen Gesetze erhöht, die von islamischen Vorschriften beeinflusst sind. Viele islamische Politiker/Innen nutzen auch religiöse Gefühle, um Wahlen zu gewinnen. 14. Aber es gibt auch besondere islamische Gruppierungen, die setzen Christen unter Druck. In manchen Regionen tolerieren muslimische Bewohner keine Christen, etwa in überwiegend muslimischen Dörfern. Gebäude von Hauskirchen werden eingerissen, selbst wenn eine staatliche Genehmigung für die Gemeinde vorliegt. Christen werden angegriffen, von islamischen Bewegungen eingeschüchtert oder an der Durchführung ihrer Gottesdienste gehindert. Gerade Anfang 2010 haben diese radikalen Gruppen einige Kirchen in Sumatra angezündet, und vor drei Monaten haben sie auch Gemeinden in Java verboten, ihre Gottesdienste zu halten. Diese islamische Radikalisierung ist eine große Bedrohung in Indonesien, nicht nur für die Kirche, sondern auch für andere Religionen; dazu gehört auch der moderate Islam. Aber bis jetzt ist es die Kirche, die am meisten unter dieser Bedrohung leidet. 15. Letzten Monat waren die Leiter des Verbandes Evangelischer Kirchen in Indonesien in Deutschland. Sie berichteten über die gegenwärtige Situation in Indonesien. Der Vorsitzende des PGI (Bündnis der indonesischen Kirchen), Andreas Yewangoe, sagte, dass die fundamental-islamischen Gruppen mehr Einfluss bekämen. Mit der Zerstörung von Kirchen und tätlichen Angriffen auf Pastoren - wie dem Angriff in Bekasi im September 2010 - habe der Konflikt auch an Gewalt zugenommen. 16. Eigentlich ist die Religionsfreiheit in Indonesien verfassungsmäßig verankert und eine feste Säule des indonesischen Staates. In der Realität aber behinderten islamische Gruppen immer häufiger die Christen im Lande an ihrer Religionsausübung, ließen Kirchen schließen oder zerstörten sie, protestierten öffentlich gegen angeblich „illegale Gottesdienste“ oder versuchten Christen aus bestimmten Gebieten zu vertreiben. Eine große Angst in Indonesien ist, dass islamische Parteien im Falle eines Wahlsieges die Verfassung zugunsten eines islamischen Rechtes ändern könnten. 17. Mit diesem Impuls möchte ich zwei Punkte betonen. Erstens: Es gibt viele Herausforderungen und Schwierigkeiten in Indonesien im Blick auf das Zusammenleben mit Anhängern von anderen Religionen, die auf Grund von Missverständnissen entstehen, und der Unfähigkeit, ein gutes gemeinsames Leben zu entwickeln. Sie kommen nicht von den Religionen, sondern von Missverständnissen und Unfähigkeiten. Die Menschen können und sollen kreativ sein um die Unterschiede zu nutzen, um ein gutes Zusammenleben zu ermöglichen und entwickeln. 18. Also, wir brauchen den interreligiösen Dialog. Ich würde sagen, dass kirchliche Mitarbeiter/Innen, die in einer muslimischen Region arbeiten oder dahin geschickt werden, eine besondere Fortbildung zum Thema interreligiösen Dialog bekommen müssen. Das ist sehr nötig! Sie sollten wissen und verstehen, was z. B. die wichtigsten Feiertage und Feste für Muslime sind. Was ist für Muslime haram (unrein, verboten) und halal (kultisch rein)? Sie sollten auch Gemeindegliedern helfen, zu lernen, mit Menschen aus anderen Religionen zusammenzuleben. 19. Kleine Schritte, kleine Zeichen der Liebe, kleine Freundlichkeiten, Respekt vor den anderen, Solidarität in schwierigen Zeiten können eine Atmosphäre und Lebenssituation verbessern und verändern. Auf dieser Art und Weise können wir die Liebe Jesu Christi teilen und die Gute Nachricht des Evangeliums weitergeben. Es gibt viele Aktivitäten, in denen Christen und Muslime etwas zusammen entwickeln können. Unser Leben in der Gesellschaft hängt von dem Miteinander ab. Dieses Verständnis hat der ehemalige Präsident Indonesiens und muslimischer Imam, Abdulrahman Wahit (Gus Dur) das Land gelehrt. 20. Zweitens: Arme und nicht gut ausgebildete Menschen werden schneller radikalisiert. Da sollten wir aufpassen! Viele Leute verstehen nicht, was der radikale Imam oder muslimische Lehrer in ihre Gesellschaft hineinbringen. Aber im Laufe von zwei oder fünf Jahren können sie den Menschen an einem Ort viele gefährliche Lehren weitergeben. Ich denke, wir sollten auch mit muslimischen Brüdern und Schwestern zusammenarbeiten, um gute Ausbildungen zu fördern und Armut zu überwinden, damit alle Menschen ein gutes Leben genießen können. Ich bin der Meinung, dass das die beste Art und Weise ist, die Radikalisierung des Islam in Indonesien zu überwinden. 21. Drittens: Wir müssen das Ziel der radikalen Gruppen in Indonesien im Auge behalten, die Verfassung zugunsten eines islamischen Rechtes zu verändern. Es wäre sehr gefährlich für Christen und andere Religionen und auch für das Land! Lasst uns hoffen, dass die Menschen verschiedener Religionen in Indonesien in Harmonie miteinander leben können.
Deutsche Welle, 27. Januar 2008
Indonesiens Ex-Diktator Suharto ist tot. Der
„lächelnde General“ dürfte trotz der zeitweiligen
wirtschaftlichen Erfolge seines Landes vor allem
als brutaler und korrupter Staatschef in Erinnerung bleiben. Rücksichtslose Herrschaft
Seit seinem Abtritt von der Macht im Jahr 1998
lebte der „lächelnde General“, wie ihn westliche Medien gerne nannten, zurückgezogen in seiner Residenz in Jakarta. Während
seiner jahrzehntelangen Herrschaft prägte er das Land wie kein
anderer Politiker. Doch die Zeit des Aufschwungs wurde von den
späteren Jahren seiner rücksichtslosen Herrschaft verdunkelt.
Er wird als brutaler und korrupter Staatschef in
Erinnerung bleiben - auch wenn er sich einer Strafverfolgung
immer entziehen konnte. Suharto musste in den vergangenen Jahren
mehrfach stationär behandelt werden, unter anderem wegen eines
Herzleidens. Kritiker hatten jedoch immer wieder darauf
hingewiesen, Suharto sei nicht so krank, wie er behaupte,
sondern wolle sich nur dem Korruptionsprozess entziehen.
Er ging nicht ins Exil, da er sich des Schutzes
seiner mit ihm reich gewordenen Günstlinge sicher sein konnte;
keiner seiner Nachfolger sorgte für einen Prozess wegen des
Todes hunderttausender Menschen unter seiner grausamen
Herrschaft. Mit einem ärztlichen Attest hatte er im Jahr 2000
erreicht, dass ein Prozess wegen der Veruntreuung von
umgerechnet rund 387 Millionen Euro aus öffentlichen Geldern
ausgesetzt wurde. Im September vergangenen Jahres jedoch wurde
ein weiterer Prozess gegen ihn eröffnet. Die Justizbehörden
forderten umgerechnet knapp eine
Milliarde Euro von ihm zurück, die er als Präsident über dunkle
Kanäle beiseite geschafft haben soll. Dieses Geld werden sie nun
nicht mehr eintreiben können.
Der 1921 als Sohn einer Bauernfamilie auf Java
geborene Suharto begann seine Karriere in der niederländischen
Kolonialarmee in Indonesien.
Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er gegen die japanische
Besatzung, nach der Unabhängigkeit des Landes 1945 stieg er in
den Offiziersrängen der indonesischen Streitkräfte auf. In den
1960er Jahren wurde er General. Ins politische Rampenlicht trat
Suharto 1965 durch
seine maßgebliche Rolle bei der Niederschlagung eines
angeblichen Putschversuchs von Kommunisten. In der Folge wurden
mehrere hunderttausend angebliche oder tatsächliche Mitglieder
der Kommunistischen Partei hingerichtet.
Suharto - Des Westens liebster General Moritz Kleine-Brockhoff
Als neuer Armeechef verbot Suharto die
Kommunistische Partei. Bei der systematischen Jagd auf
Mitglieder starben Hunderttausende. „Sie
schlachteten Kommunisten wie Hühner“, erzählt der Zeitzeuge und
Politiker Jacob Sahetapy, „die Flüsse waren voller Leichen.“
Suharto stirbt
unbehelligt
taz, 13. Juni 2007
Drahtzieher der Anschläge von
Bali gefasst
Auf Indonesiens Fahndungsliste stand Abu
Dujana an erster Stelle. Der mutmaßliche Terrorist, der
mindestens sechs Decknamen trägt, sowie sieben weitere
Verdächtige gingen Ermittlern bereits am Samstag (09.06.07) bei
einer Razzia in Zentraljava ins Netz. Doch es dauerte mehrere
Tage, bis mithilfe von DNA-Analysen und Fingerabdrücken seine
Identität
einwandfrei festgestellt werden konnte. "Wir haben ihn!",
meldete die Polizei am Mittwoch stolz.
Das Verhältnis zwischen Islam und
Christentum in Indonesien Die Religionen in Indonesien stehen in der Zeit der "Reformasi" seit 1998 vor mindestens fünf Herausforderungen, denen sie sich möglichst gemeinsam stellen sollten. 1. Herausforderung: Religionsfreiheit Im indonesischen Grundgesetz von 1945 heißt es: "Der Staat garantiert jedem Bürger die Freiheit, seine Religion zu wählen und Gottesdienst entsprechend dieser Religion oder seiner Glaubensrichtung zu feiern." Hier gibt es zwei offene Probleme die seit der Zeit der „Neuen Ordnung“ (1966 bis 1998) heftig diskutiert werden und oftmals Spannungen und gewaltsame soziale Konflikte auslösen: die Freiheit zur Mission, oft auch die Freiheit zur Ausbreitung der Religion genannt, und die Freiheit, Gebäude für den Gottesdienst zu errichten. Die Frage der Ausbreitung der Religion und ihrer Begrenzung wurde seit dem Anfang der „Neuen Ordnung“ von den Machthabern immer wieder aufgeworfen. Am 1. November 1967 wurde in Jakarta ein Treffen der Führer aller Religionen einberufen. Mit Hilfe der Islamführer zwangen die Militärmachthaber diesem Treffen ein Konzept auf, das die Ausbreitung der Religion unter denen, die schon eine Religion haben, verbietet. Als Grund wurde die Wahrung der Sicherheit angegeben, die notwendig sei, um sich auf die Ausrottung der Kommunistischen Partei (PKI) und ihrer Anhänger konzentrieren zu können. Im Hintergrund steht jedoch folgender Sachverhalt: Nach der Lehre des Islam ist ein Religionswechsel (murtad) verboten und sollte deshalb durch den Staat nicht erlaubt, sondern verboten werden. Trotz der Androhung, ihre Sicherheit könne nicht mehr garantiert werden, falls sie nicht unterschreiben, haben die Führer der Protestanten und Katholiken sich geweigert, dieses konzipierte Verbot der Mission zu unterzeichnen. Während der ganzen Zeit der „Neuen Ordnung“ haben sie dann diesbezüglichen neuen Versuchen der politischen Machthaber mit Festigkeit widerstanden, mit der Begründung, dass die Religionsfreiheit durch das Grundgesetz von 1945 garantiert ist. Diese Frage ist ein ungelöstes Problem geblieben, obwohl seit Anfang der sechziger Jahre das Bewusstsein gewachsen ist, dass die Religion universal und die Mission ein unaufgebbares Element der Religion ist. Der zweite Punkt betrifft die Errichtung von Gottesdienstgebäuden. Im Jahr 1969 haben der Religionsminister und der Innenminister eine gemeinsame Entscheidung (SKB Dua Menteri) herausgegeben, die das Errichten von Gottesdienstgebäuden regelt. Diese hat eine gravierende Schwäche: Sie bindet die Erteilung der Baugenehmigung an die Zustimmung der Bewohner, die in der Umgebung des Bauprojektes leben und die in der Regel dem Islam angehören. Hier sind Spannungen und Konflikte vorprogrammiert. Die christlichen Bürger (Protestanten und Katholiken) haben großen Nachholbedarf in Sachen Kirchbau, denn sie konnten sich erst nach der Erlangung der Freiheit Indonesiens im ganzen Land ausbreiten. Nun möchten sie dort, wo sie leben und arbeiten, auch ihre Gotteshäuser bauen können. Genau genommen sind die Religionsfreiheit, die Wahrung der Menschenrechte und andere im indonesischen Grundgesetz von 1945 klar enthalten. Würde man die vorhandenen Gesetze anwenden, gäbe es keine grundsätzlichen Probleme. Die Realität sieht aber anders aus. Zur Stützung einer schwankenden Politik hat die Regierung unter dem Grundgesetz von 1945 viele Gesetze erlassen, die im Gegensatz zum Grundgesetz von 1945 stehen. Den Kirchbau betreffend, haben die Muslime eine besondere Frage an die Christen. Warum müssen an einem Ort zwei oder auch mehr Kirchen in nächster Nachbarschaft stehen? Für die Muslime ist das unverständlich, denn obwohl der Islam auch verschiedene Organisationsformen und religiöse Richtungen kennt, versammeln sich alle in einer Moschee. Die Christen aber brauchen für jede Organisation und Denomination eine eigene Kirche. Bleibt diese Frage ohne Antwort, so muss bei den Muslimen der Eindruck entstehen, dass es den Christen hierbei um eine besondere Methode der Christianisierung gehe, oder dass die Christen unermesslich reich sein müssen. Die Christen werden sich dieser Frage der Muslime stellen müssen. Sie werden auch darüber nachzudenken haben, was es heißt, in einem ökumenischen Geist Kirche für andere, für Christen und Anhänger anderer Religionen zu sein. 2. Herausforderung: Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft Indonesier leben in einer vielfach zusammengesetzten Nation. Aber auch sie haben sich nach der Erlangung der Freiheit geöffnet. Dass die nationale Einheit in dieser zusammengesetzten Vielfalt nicht untergeht, dafür hat von Anfang an der Slogan „bhinneka tunggal ika“ - „verschieden aber eins“ gesorgt. Er hält das Einheitsgefühl wach. Die Erfahrung der neuen Gesellschaft bringt allerdings auch die Gefahr mit sich, dass die urtümlichen Bindungen wie z. B. die Stammesbindung, die mit ihren starken Wurzeln im Volksleben und in der Religion noch eine aktive Rolle spielt, vergessen werden. Der starke Einfluss der Volksgruppen und ihrer Kultur auf die Religion wird in Indonesien wie auch im Ausland oft übersehen oder unterschätzt. Die Art wie die Batak ihr Christsein leben, ist durch ihre Adat und Kultur mitgeprägt und unterscheidet sich von der Form des Christseins der Menschen auf Java, die ihrerseits dem Einfluss der javanischen Adat und Kultur unterliegt. Dasselbe gilt auch für den Islam. Die starke Verbindung zwischen der Religion und der lokalen Kultur entscheidet mit darüber, wie sich diese Religion nach außen darstellt. 3. Herausforderung: Bewältigung der Korruption und Überwindung der Armut Schon 1998 waren sich die Abgeordneten des Volkskongresses (MPR) einig, dass die Bekämpfung der Korruption, der unsauberen Geschäftspraktiken und des Nepotismus (KKN) eine vordringliche Aufgabe für die „Reformasi“ ist. Acht Jahre danach hat die KKN, die damals ein Krebsgeschwür genannt wurde, alle Schichten der Gesellschaft durchdrungen. Manche nennen diese Krankheit auch „praktischen Atheismus“. Äußerlich gesehen ist das indonesische Volk sehr religiös. An jedem Freitag strömen die Muslime in die Moscheen. An jedem Sonntag sind die Kirchen der Christen voll. Alle Kinder erhalten Religionsunterricht vom Kindergarten bis zur Hochschule. Fünf Mal werden die Muslime täglich zum Gebet aufgerufen. Und doch gibt es Korruption, unsaubere Geschäftspraktiken und Nepotismus (Vetternwirtschaft). Eine weitere dringende Aufgabe ist, den fortschreitenden Prozess der Verarmung zu stoppen und langfristig die Armut möglichst zu überwinden. Die Armut ist kein unabwendbares Schicksal, auch nicht vorwiegend durch Faulheit oder Dummheit verursacht. Sie ist vielmehr eine Frucht der zunehmenden Ungerechtigkeit, verursacht durch das ungerechte Handeln der Machthaber und der ererbten alten Gesellschaftsstruktur. Diese wird allerdings dadurch verstärkt, dass die politischen und wirtschaftlichen Machthaber sich dieser Struktur für ihre Politik bedienen. Die wachsende Einsicht in die Zusammenhänge der Wirtschaftspolitik erzeugt allgemein Misstrauen gegenüber den internationalen Organisationen wie der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds (IMF) und der Welthandelsorganisation (WTO), von denen man annimmt, dass sie das Volk verdummen und in Armut stürzen. Auch gegenüber den ausländischen multinationalen Organisationen verstärkt sich die Ablehnung in vielen Formen bis hin zu ihrer Schließung durch das Volk (Newmont, Freeport, Exxon Mobile USA und andere). Diese Unternehmen werden abgelehnt, weil ihre Anwesenheit für das soziale und wirtschaftliche Leben der Menschen in der jeweiligen Region in keiner Weise relevant ist. Was den Menschen in der Region bleibt, ist die Verwüstung und Verschmutzung ihres Lebensraumes. Die vorhandenen Schätze werden bis auf den Grund ausgebeutet, aber die Bevölkerung bleibt arm. Die ausländischen Unternehmen sind dagegen der Überzeugung, sie erfüllten ihre Verpflichtungen der indonesischen Regierung gegenüber entsprechend ihren Verträgen. In Wirklichkeit ist ihr gutes Verhältnis zur Regierung durch die Praxis der Bestechung bestimmt. Ein anderer Grund, der die Entwicklung behindert, ist das weit fortgeschrittene soziale und wirtschaftliche Ungleichgewicht. Die ererbte feudalistische Sozialstruktur wurde durch die in der Kolonialzeit herrschende Ungerechtigkeit und später durch die „Neue Ordnung“ verstärkt und hat die spätere Entwicklung der Wirtschaft in Indonesien entscheidend mitbestimmt und die soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeit vergrößert. Besonders bedrückend ist die Ungleichheit zwischen den Gruppen der Superreichen und den Millionen von Menschen unter der Armutsgrenze. Der hier notwendige Ausgleich ist durch die Regierung oder die Wirtschafts- und Finanzfachleute kaum zu erreichen. So wird diese Ungleichheit von Tag zu Tag größer und löst Gewalt und viele soziale Konflikte aus. Wie kann die Kirche helfen? Sie ist zumindest gerufen, sich für den Ausgleich konsequenter einzusetzen. Als ständiger Wegweiser sollte die sozialökonomische Dimension des „Shalomkonzeptes“ dienen, das durch geeignete Aktionen vergegenwärtigt werden muss. Wenn die Führer des Islam neuerdings betonen, dass schon der Name Islam Friede bedeutet, und wenn Hasyim Muzadi (Vorsitzender der Islamorganistation "Nahdlatul Ulama" - NU) die Kirchen in Indonesien einlädt, gemeinsam an der Schaffung von Frieden zu arbeiten, so stellt dieses Zusammentreffen der Gedanken eine konkrete Möglichkeit dar, lokal und national gemeinsam für die Überwindung der Armut zu arbeiten. Sicher ist: Solange die Mehrheit des Volkes in Armut lebt, wird es weiterhin zu spontanen Gewaltakten kommen. 4. Herausforderung: Radikale Gruppen Zunächst sahen die beiden großen Islamorganisationen NU und Muhammadiyah in ihren Kreisen den Grund für deren Entstehen in einem ethischen Rigorismus. "Sie sind aufgekommen, weil der Staat zu schwach ist, bestimmte Formen der Immoralität wie die Spielleidenschaft und die Pornographie durch Gesetz zu bekämpfen“, so Syamsuddin, der Vorsitzende der Muhammadiyah. Etwas anders der Vorsitzende der NU. Er rief dazu auf, die radikalen Gruppen durch Überzeugungsarbeit zu bewegen, nicht exklusiv, sondern offen zu sein und die plurale Gesellschaft zu akzeptieren. Heute müssen sie erkennen, dass diese Gruppen nicht nur auf dem moralischen Sektor kämpfen, sondern begonnen haben, anderen ihren Willen gewaltsam aufzuzwingen. Dies bedroht alle für die Zukunft notwendige Zusammenarbeit. Es soll, nicht verschwiegen werden, dass auch auf christlicher Seite exklusive und radikale Gruppen aktiv sind. Auch von ihnen lassen sich einige dazu hinreißen, in der Öffentlichkeit Gewalt anzuwenden. Wenn die Rede auf das Problem des Terrorismus kommt, betont die Islamgemeinde im allgemeinen, dass sie ihn ablehnt. Sie sieht ihn als das Unternehmen eines internationalen Netzes an, wobei die Religion nur als „Schild“ dient. Hinter den Aktionen des Terrorismus stehen politische Belange, sicher auch das Problem der Ungerechtigkeit zwischen den Völkern. Die USA haben auf den Terrorakt am 11. September 2001 ungemein hart reagiert. Eine unnötige Propaganda begleitete diese Reaktion. Präsident Bush benutzte in seiner Rede am 12. September 2001 die Formulierung. „Kreuzzug zur Bekämpfung des Terrorismus“. Für die Ohren der meisten Muslime klingt das wie ein Kampfaufruf zum Krieg für das Kreuz (heiliger Krieg). Die Mehrheit der Muslime in Indonesien gehört heute zum moderaten und modernen Islam, der in der Islamgemeinde einen stärkeren Einfluss als die radikalen Gruppen ausübt. Freilich sind noch „Wanderprediger“ unterwegs, die Hass gegen die Christen, den Westen und Amerika predigen. Zugleich aber sehen wir, wie die moderne und liberale Generation erstarkt und wie sie es wagt, den traditionellen und radikalen Gruppen entgegenzutreten, um sie durch Aufklärung für ein offenes, plurales Leben zu gewinnen, in dem einer den anderen anerkennt und respektiert. Diese Generation ist bereit, in eine Zusammenarbeit für Frieden, Gerechtigkeit und Erhaltung der Schöpfung einzutreten. Sie ist entschlossen, die eigentlichen Gründe für den Terrorismus, die in der globalen, regionalen, und nationalen Ungerechtigkeit zu suchen sind, aufzuklären. Sie hüten sich vor der von Furcht bedingten Einseitigkeit. Sie glauben den Parolen nicht, dass es ausschließlich um einen Krieg zwischen Feinden geht. Ein Zeichen, das in eine bessere Zukunft weist, ist auch die Tatsache, dass immer mehr Nichtregierungsorganisationen innerhalb der Religionen gegründet werden. In diesem Zusammenhang möchte ich einige Sätze aus dem Statement der Versammlung des Weltkirchenrates im Februar 2006 in Porto Alegre bezüglich des Terrorismus zitieren: "Die Gewalt des Terrorismus - in allen seinen vielfältigen Formen - ist verabscheuenswürdig für alle, die glauben, dass menschliches Leben eine Gabe Gottes und aus diesem Grunde unendlich wertvoll ist. Jeder Versuch, andere Menschen einzuschüchtern durch willkürliche Handlungen, die zu Tod und Verletzungen führen, ist immer und überall zu verurteilen. Die Antwort auf den Terrorismus darf jedoch nicht eine Antwort mit den gleichen Waffen sein, denn dies kann zu mehr Gewalt und mehr Terror führen. Vielmehr ist ein gemeinsames Engagement aller Nationen nötig, um jegliche Möglichkeit zur Rechtfertigung solcher Handlungen zu beseitigen. (...) Terroristen berufen sich bei ihrem Handeln auf absolute Forderungen. Manchmal wird Religion als Vorwand für die Anwendung von Gewalt benutzt, die als von Gott gebilligt verstanden wird. Wir (...) erklären unmissverständlich, dass Terror in Form von willkürlichen Gewaltakten gegen unbewaffnete Zivilpersonen zu politischen oder religiösen Zwecken nie gesetzlich, theologisch oder ethisch gerechtfertigt werden kann.“ Diese Vollversammlung hat auch das Konzept des „Krieges gegen den Terror“ zurückgewiesen. Weiterhin wurde dazu aufgefordert, dass sich alle Religionen mit ihrem inneren Reichtum daran beteiligen mögen, die Menschen zum Frieden und zur Versöhnung zu führen. Das ist auch unsere Hoffnung in Indonesien. 5. Herausforderung: Inklusive Texte in den Vordergrund stellen Eine weitere Herausforderung stellt ein Aufruf dar, den prominente Leute der „Reformasi“ unterschiedlicher religiöser, Richtungen im Jahr 2000 erlassen haben - einen Tag nachdem Kirchengebäude am Weihnachtstag in Brand gesteckt wurden. Die Religionen mögen doch mit Vorrang diejenigen Texte ihrer Schriften in den Vordergrund rücken, die inklusive Bedeutung haben, die die Offenheit betonen und die Gleichheit aller Menschen, auch die Gleichheit zwischen Mann und Frau anerkennen, also Texte, die uns helfen, die gemeinsamen Belange für den Frieden, die Gerechtigkeit und für die Wahrung der Menschenrechte als für uns verbindlich zu erkennen. Dieser Aufruf verdient es, ernsthaft und intensiv in den theologischen Ausbildungsstätten und von den führenden Persönlichkeiten beachtet zu werden. Einer von den Verantwortlichen für diesen Aufruf war ich selber. Mir ist dabei klar geworden, in wie vielen Dingen wir umdenken müssen. Zum Beispiel in unserem Verständnis von „Liebe“. Viele von uns verhalten sich wie der Priester und der Levit in dem Gleichnis bei Lukas (Lukas 10, 25‑37). In Wirklichkeit lässt dieses Gleichnis nur die Deutung der Liebe als fürsorgende Zuwendung zum Nächsten ohne Ansehen der Person zu. Wie beharrlich glauben wir doch als christliche Gemeinde in Indonesien, unser Herr würde nur die Christen lieben (so die Theologie Bushs), und vergessen dabei Johannes 3,17 und Psalm 145,9. Auch unsere muslimischen Schwestern Brüder sind dabei, viele Dinge neu zu entdecken. So beweisen Muslime, die zum Netz des liberalen Islam (JIL) gehören, aus dem Koran, wie viele Aspekte bisher falsch verstanden worden sind. Sie erheben neue Erkenntnisse aus dem Koran: Offenheit, Gleichheit, gegenseitige Fürsorge, Frieden, Gerechtigkeit und anderes. Dies ist ein Zeichen der Hoffnung für eine bessere Zukunft. Einige Vorschläge für die Schwestern und Brüder im Westen: 1. Paradigmenwechsel Die Zeit für einen Paradigmenwechsel ist gekommen. Das alte Paradigma für unser Verhältnis zum Islam wurde über Jahrhunderte durch die Konzeption des corpus christianum und die Erfahrungen der Kreuzzüge („Kreuzkriege“) im11./12. Jahrhundert bestimmt. Die Zeiten haben sich geändert. Der Islam ist nicht mehr nur mit den Arabern identisch. Die Mehrheit des Islam lebt nicht mehr im Nahen Osten, sondern in Asien, besonders in Indonesien, Indien, Bangladesh, um zunächst die Länder zu nennen, in denen die meisten Muslime wohnen, deren Islam offen, und moderat ist. Hinzu kommen dann Pakistan, Malaysia, Iran und der Irak. Diesen Paradigmenwechsel bewusst zu machen, ist vor allem die nicht mehr aufzuschiebende Aufgabe der theologischen Ausbildungsstätten. 2. Revision von Grundvorstellungen vom Islam Für die Kirchen im Westen bedeutet dies, dass auch sie ihr Verständnis der tragenden Grundvorstellungen des Islam einer grundlegenden Revision unterziehen müssen. Dies betrifft weiter die Bereitschaft, die Ergebnisse bisheriger gemeinsamer Überlegungen ökumenischer Dialogbegegnungen nutzbar zu machen. Notwendig ist auch ein klareres Verständnis dessen, was Dialog und was Mission ist. Die Ergebnisse einer solchen Revision werden dann für eine umfassende Revision der Lehre, der Liturgie und der zur Form erstarrten Gebete von Nutzen sein. Das besagt, dass die bisherigen Dialogbemühungen verstärkt und ausgeweitet werden müssen. 3. Nachbarschaft von Gemeinde und Moschee
Es wäre sehr
nützlich, wenn Gemeinden, die in der Nachbarschaft einer Moschee
leben, initiativ werden und Verbindungen des gegenseitigen
Verstehens entwickeln. Wenn möglich, sollten Vorurteile, die
beiden Seiten bisher erheblich geschadet haben, gemeinsam
abgebaut werden. Der Dialog sollte am Ort der Moschee und der
Gemeinde stattfinden. Die Islamophobie, die Angst überhaupt, der
Hass, die Gefahr, neuartige Gettos zu eröffnen - dies alles
könnte verhindert werden, wenn die Gemeinde, besonders die
Gemeinde in der Nachbarschaft der Moschee, sich ernsthaft
bemüht, die „Früchte des Geistes“, von denen der Apostel Paulus
spricht (Galater 5,22), in ihrem Leben zu verwirklichen. Die
Unterschiede im Denken der christlichen und der islamischen
Gemeinde müssen und werden den Aufbau der Beziehung und ein
friedliches Zusammenleben nicht verhindern. Das Leben in
Pluralität beginnt an unserem Ort.
Der obige Text ist eine gekürzte und redigierte
Fassung eines Vortrages an der Universität Münster am 22. Juni
2006. Ephorus Dr. Soritua A. E. Nababan ist Altbischof der
Protestantisch-Christlichen Batak-Kirche (HKBP). Er war von 1996 bis
2000 erster Moderator der internationalen VEM und ist heute
einer der acht Präsidenten des Weltrats der Kirchen (ÖRK).
The Jakarta Post, 10 Oct 2005Want to marry RI woman? Pay Rp 500m in depositMuninggar Sri Saraswati, JakartaIf you happen to be a not-so-rich foreign gentleman who plans to marry an Indonesian lady here, you'd better tie the knot quickly as the authorities may put an expensive price tag on Indonesian women in the future. Unknown to many, the Supreme Court is mulling requiring foreign men to deposit some Rp 500 million (about US$50,000) before marrying Indonesian female citizens.The idea was recommended during a recent Supreme Court national working meeting, which was attended by the Supreme Court leadership and top judges from across the country. It was not immediately clear how the proposed scheme would be implemented. But according to a document studied at the meeting, such a regulation is applied in Egypt, where foreign men are required to pay a sum of money into a state bank before marrying Egyptian citizens.„In a bid to protect women, the state of Egypt requires every (male) foreigner who plans to marry an Egyptian citizen to pay 25.000 Egyptian pounds into the Nasser Bank as a bond,“ said the document, a copy of which was made available to The Jakarta Post over the weekend. The Supreme Court may likely follow up on the idea by submitting it to the government or the House of Representatives, which would draft the ruling. The recommendation by the male-dominated Supreme Court will add to the complications faced by transnational couples wishing to register their marriages here.
Many consider the current Indonesian law on
citizenship as failing to protect transnational couples,
particularly marriages between Indonesian women and foreign men.
Such couples must go through lengthy and complicated immigration
and
other processes to legalize their marriage under Indonesian law.
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