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Deutsche Welle, 27. Januar 2008

Suharto gestorben

 

Indonesiens Ex-Diktator Suharto ist tot. Der „lächelnde General“ dürfte trotz der zeitweiligen wirtschaftlichen Erfolge seines Landes vor allem als brutaler und korrupter Staatschef in Erinnerung bleiben.

Zehn Jahre nach seinem Sturz unter dem Druck von Massenprotesten ist der indonesische Expräsident Suharto im Alter von 86 Jahren gestorben. Der langjährige Machthaber des südostasiatischen Inselstaates erlag am Sonntag (27.01.2007) in Jakarta einem mehrfachen Organversagen, wie Chefarzt Marjo Subiandon mitteilte. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono rief eine einwöchige Staatstrauer aus und würdigte Suharto als „besten Sohn des Landes“.

Rücksichtslose Herrschaft

Seit seinem Abtritt von der Macht im Jahr 1998 lebte der „lächelnde General“, wie ihn westliche Medien gerne nannten, zurückgezogen in seiner Residenz in Jakarta. Während seiner jahrzehntelangen Herrschaft prägte er das Land wie kein anderer Politiker. Doch die Zeit des Aufschwungs wurde von den späteren Jahren seiner rücksichtslosen Herrschaft verdunkelt.

Haji Muhammad Suharto ebnete sich 1965 den Weg an die Macht, als sechs in der Hierarchie über ihm stehende Heeresgeneräle ermordet wurden. Danach gab es 32 Jahre lang keinen anderen Präsidenten in dem Inselstaat mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt: Suharto ließ sich sechs Mal als Präsident bestätigen.


Kreditaufnahmen ohne Sicherung

Er wird als brutaler und korrupter Staatschef in Erinnerung bleiben - auch wenn er sich einer Strafverfolgung immer entziehen konnte. Suharto musste in den vergangenen Jahren mehrfach stationär behandelt werden, unter anderem wegen eines Herzleidens. Kritiker hatten jedoch immer wieder darauf hingewiesen, Suharto sei nicht so krank, wie er behaupte, sondern wolle sich nur dem Korruptionsprozess entziehen.

Aber der General hat Indonesien auch vom Rand des wirtschaftlichen Bankrotts zu einem der asiatischen Tiger gemacht - allerdings auf Pump. Der „Vater des Aufschwungs“, so sein Beiname, baute die Erdöl- und Gasproduktion sowie die Textilindustrie des landwirtschaftlich geprägten Landes aus. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf stieg von 50 Dollar bei seinem Machtantritt auf etwa tausend Dollar vor Beginn der Asienkrise 1997.

Solange die Wirtschaft blühte, der Westen in dem Inselreich gewinnbringend investieren konnte und der Kalte Krieg die politische Weltkarte bestimmte, solange war seine Macht unangefochten. Die Kreditaufnahmen ohne Sicherung ließen in der asiatischen Finanzkrise die indonesische Wirtschaft jedoch zusammenbrechen: Bis heute hat sich Indonesien nicht von dem nach Einschätzung einiger Experten größten Crash irgendwo auf der Welt in den vergangenen 50 Jahren erholt. Als der Kurs der Landeswährung Rupiah in der Folge ins Bodenlose stürzte, geriet Suharto unter Beschuss. Nach anhaltenden Studentenprotesten musste er am 21. Mai 1998 zurücktreten.


Schutz durch reiche Günstlinge

Er ging nicht ins Exil, da er sich des Schutzes seiner mit ihm reich gewordenen Günstlinge sicher sein konnte; keiner seiner Nachfolger sorgte für einen Prozess wegen des Todes hunderttausender Menschen unter seiner grausamen Herrschaft. Mit einem ärztlichen Attest hatte er im Jahr 2000 erreicht, dass ein Prozess wegen der Veruntreuung von umgerechnet rund 387 Millionen Euro aus öffentlichen Geldern ausgesetzt wurde. Im September vergangenen Jahres jedoch wurde ein weiterer Prozess gegen ihn eröffnet. Die Justizbehörden forderten umgerechnet knapp eine Milliarde Euro von ihm zurück, die er als Präsident über dunkle Kanäle beiseite geschafft haben soll. Dieses Geld werden sie nun nicht mehr eintreiben können.

Suhartos sechs Kinder und deren Angehörige häuften unter dem Schutz des Familienpatrons unermesslichen Reichtum an. Bis heute halten sie Anteile an allen wichtigen Branchen der einst boomenden indonesischen Wirtschaft; Sohn Bambang Trihatmodjo tauchte im vergangenen Jahr mit einem Vermögen von 200 Millionen Dollar in der Forbes-Liste der reichsten Indonesier auf. Suharto und seine Gefolgsleute leiteten nach Schätzungen der Weltbank 20 bis 30 Prozent des Entwicklungsetats auf ihre Konten.


Massenhinrichtungen von Kommunisten

Der 1921 als Sohn einer Bauernfamilie auf Java geborene Suharto begann seine Karriere in der niederländischen Kolonialarmee in Indonesien. Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er gegen die japanische Besatzung, nach der Unabhängigkeit des Landes 1945 stieg er in den Offiziersrängen der indonesischen Streitkräfte auf. In den 1960er Jahren wurde er General. Ins politische Rampenlicht trat Suharto 1965 durch seine maßgebliche Rolle bei der Niederschlagung eines angeblichen Putschversuchs von Kommunisten. In der Folge wurden mehrere hunderttausend angebliche oder tatsächliche Mitglieder der Kommunistischen Partei hingerichtet.

Als Armee-Oberbefehlshaber und Verteidigungsminister verdrängte er mit immer weiterreichenden Befugnissen den kränkelnden Präsidenten Sukarno schrittweise von der Macht. Nach seinem offiziellen Amtsantritt als Präsident 1967 setzte Suharto stets alles daran, selbst am Schalthebel der Macht in dem riesigen Archipel mit rund 17.000 Inseln zu bleiben. Die Ränge der mächtigen Streitkräfte des Landes füllte Suharto mit Gefolgsleuten.

Über die Grenzen seiner Golkar-Partei hinaus nahm er auf die Führung der oppositionellen Demokratischen Partei Indonesiens (PDI) Einfluss, die Medien wurden strenger Kontrolle unterstellt. Mit seiner antikommunistischen Haltung gewann Suharto außenpolitisch die Sympathien der USA. Der zurückhaltend und freundlich auftretende Präsident verschaffte sich auch in anderen Ländern der westlichen Welt Sympathien, in Deutschland gewann er die Freundschaft von Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU). Bei Menschenrechtlern stand Suharto hingegen in der Kritik.
Sie warfen ihm im Zusammenhang mit dem Einmarsch in das nach Unabhängigkeit strebende Osttimor im Jahr 1975 Völkermord vor. In dem auf die Besatzung folgenden 25-jährigen Bürgerkrieg starben Schätzungen zufolge 200.000 Menschen. (stu)

 



Frankfurter Rundschau Magazin, 27.1.08

Suharto - Des Westens liebster General

Moritz Kleine-Brockhoff


Atty Sintawati weiß bis heute nicht, wer in der Nacht zum 1. Oktober 1965 in ihrer Straße in Jakarta geschossen hat. „Ich weiß nur, dass mein Nachbar General Yani starb“, sagt die Rentnerin. In dieser Nacht starben weitere fünf Generäle, darunter der Armeechef. Am Morgen riss ein 44-Jähriger die nun vakante Armeeführung an sich: Mohammed Suharto. Zwei Jahre später wurde er Indonesiens Präsident; 32 Jahre lang sollte er herrschen - mit aller Gewalt. Unter General Suharto kamen Hunderttausende Menschen ums Leben. Die Anti-Korruptionsgruppe „Transparency International“ hält Suharto für den größten Korrupteur aller Zeiten. Bis zu 35 Milliarden US-Dollar, so die Schätzung, soll der Ex-Staatschef veruntreut haben.

Hadji Mohammed Suharto, 1921 geboren und am Sonntag nach langer Krankheit gestorben, wirkte nach außen hin milde. Er war freundlich zu Gästen, sprach öffentlich stets ruhig und mit sparsamer Gestik. Und er lächelte meist. Über die Mord-Nacht des Jahres 1965 schrieb er später: „Ich habe geschlafen. Ich hatte damit nichts zu tun.“ Kommunisten wurden verantwortlich gemacht.


Jagd auf Kommunisten

Als neuer Armeechef verbot Suharto die Kommunistische Partei. Bei der systematischen Jagd auf Mitglieder starben Hunderttausende. „Sie schlachteten Kommunisten wie Hühner“, erzählt der Zeitzeuge und Politiker Jacob Sahetapy, „die Flüsse waren voller Leichen.“

„Neue Ordnung“ nennt Suharto sein Politsystem, als er 1967 an die Macht kommt - eine Quasi-Diktatur mit Demokratieanstrich, in der das Militär allmächtig ist. Politiker sind Marionetten, Wahlen gibt es nur zum Schein. Dissidenten verschwinden. Kriminelle werden ohne Verfahren hingerichtet, ihre Leichen auf die Straße geworfen. „In unserer Demokratie ist kein Platz für Opposition im westlichen Sinne. Wir kennen nur Übereinstimmung“, befiehlt Suharto. „Es war eine Kunst, mit ihm zu sprechen“, erzählt der Parlamentarier Mochtar Buchori: „Am sichersten war es, nur Fragen zu stellen.“

1976 annektiert Suharto das benachbarte Osttimor. In der portugiesischen Kolonie hatten Linke die Unabhängigkeit erklärt. Suharto will keinen kommunistischen Nachbarn und schickt seine Truppen. Zehntausende sterben.

Suharto hatte nicht studiert und las kaum. Aber er regierte intelligent und setzte seine Ziele um. Das Militärregime hielt den Vielvölkerstaat Indonesien trotz Separatisten zusammen. Die USA mochten den neuen Herrscher in Indonesien, Suharto war Washingtons Soldat. Der General ließ ausländische Firmen ins Land, die Öl, Gas, Gold und Kupfer förderten. US-Ökonomen und deutsche Banker stützten das System des Generals.

Die „neue Ordnung“ sorgte für Stabilität und enormes Wirtschaftswachstum. Millionen Menschen entkamen dank Suhartos Politik der Armut. So wuchs auch eine reiche Oberschicht heran, und es entstanden Wolkenkratzer, Villen, Einkaufszentren. Die Ausländer wiederum schätzten die Rohstoffe Indonesiens und die billigen Arbeitskräfte. Milliardenbeträge wurden investiert, Indonesien zum „Tigerstaat“ erklärt. Allerdings: Kein Geschäft lief ohne Abgabe an den Suharto-Clan. Der Patriarch gab sich nach außen bescheiden, seine Kinder nicht. Sohn Tommy kaufte Lamborghini. Nicht bloß ein Auto, sondern das ganze Unternehmen.

Mitte der 90er Jahre hatte Suharto einen Staat geschaffen, in dem nur noch wenige der rund 230 Millionen Einwohner hungerten. Es gab viele neue Straßen, Jobs, Schulen und Krankenhäuser. Nur war vieles mit teuren Dollarkrediten finanziert, die durch die Asienkrise und den Währungsverfall nicht mehr bedient werden konnten. Die Folge: Banken und Firmen gingen pleite, 35 Millionen Menschen im Inselstaat wurden arbeitslos, Lebensmittel und Sprit für viele unerschwinglich.

Als schwere Unruhen ausbrachen und Jakarta brannte, trat Suharto zurück. Er fuhr einfach heim und schaute Fernsehen. Am liebsten, so heißt es, sah er Talkshows, Lustiges, Tierfilme und „Wer wird Millionär?“.

Indonesien ist längst ein demokratischer Staat. Doch Suhartos alte Seilschaften besitzen weiter große Macht. Niemand belangte den General je wegen Menschenrechtsverletzungen. Zwei Staatsanwälte wagten sich an Korruptionsklagen: Ein Prozess scheiterte an der Verhandlungsunfähigkeit Suhartos; ein Zivilverfahren lief jüngst an. Suharto schien irritiert und gab erstmals seit seinem Rücktritt ein Interview. „Fakt ist, dass ich nicht korrupt war“, sagte der General.

 



taz 28.1. Seite 1 (Nur Ausgabe Süddeutschland)

 Suharto stirbt unbehelligt

Kommentar von Sven Hansen


Der Tod eines langjährigen Diktators wie jetzt im Fall von Indonesiens Suharto könnte etwas Befreiendes haben. Ein Land könnte fortan unbeschwert in die Zukunft blicken, immerhin wäre eine dunkle Epoche endgültig vorbei. Doch im Fall Indonesien wird das nicht funktionieren. Denn mit Suhartos Tod stirbt auch die Chance für eine ernsthafte und umfassende Aufarbeitung der blutigen und korrupten Geschichte seiner 32-jährigen Herrschaft. Indonesiens Elite, die von Suhartos Herrschaft bis heute profitiert, hat bislang kein Interesse an einer ernsthaften Aufarbeitung. Deshalb ist Suharto unbehelligt gestorben.

Selbst wenn nach seinem Tod noch ein wenig in der Geschichte gegraben werden sollte, dürfte dies nur darauf hinauslaufen, dem Exdiktator alle Schuld zuzuschieben. Die zahlreichen Mittäter könnten sich so reinwaschen. Und Suharto selbst kann ja niemanden mehr belasten. Indonesien hat also eine riesige Chance ungenutzt gelassen. Darunter werden die demokratischen Errungenschaften der letzten Jahre zu leiden haben. Denn die Macht der Nutznießer von Suhartos „neuer Ordnung“ wurde nie gebrochen, ein echter Neuanfang blieb aus.

Doch nicht nur innerhalb Indonesiens blieb die Aufarbeitung der Diktatur im viertgrößten Land der Welt aus, sondern auch international. Während sich Potentaten wie Serbiens Milosevic oder auch noch ein paar greise Exführer der Roten Khmer auf die ein oder andere Art zu verantworten hatten oder noch haben, drückten die westlichen Staaten bei Indonesiens Machthaber stets ein Auge zu. Dabei war er für den Tod von einer halben bis einer Million Menschen verantwortlich. Hier zeigt sich die Doppelmoral des Westens, was die Menschenrechte angeht.

Suhartos wichtigste Stütze in Europa war Deutschland. Unter Bundeskanzler Kohl, aber nicht nur unter ihm erhielt sein Militär deutsche Waffen. Damalige Staatskonzerne wie die Deutsche Telekom machten dicke Geschäfte mit seiner Familie. Für Indonesiens Demokraten ist es zynisch, dass deutsche Politiker das Land zur Zeit der Diktatur hofierten, sich aber heute bei der mühsamen Entwicklung der Demokratie kaum noch dort blicken lassen.

 


 

 

 

taz, 13. Juni 2007

Drahtzieher der Anschläge von Bali gefasst
Nicola Glass

Auf Indonesiens Fahndungsliste stand Abu Dujana an erster Stelle. Der mutmaßliche Terrorist, der mindestens sechs Decknamen trägt, sowie sieben weitere Verdächtige gingen Ermittlern bereits am Samstag (09.06.07) bei einer Razzia in Zentraljava ins Netz. Doch es dauerte mehrere Tage, bis mithilfe von DNA-Analysen und Fingerabdrücken seine Identität einwandfrei festgestellt werden konnte. "Wir haben ihn!", meldete die Polizei am Mittwoch stolz.

Innerhalb der Hierarchie des regionalen Terrornetzwerkes "Jemaah Islamiya" (JI) gilt Abu Dujana als "dicker Fisch", so die Terrorismusexpertin Sidney Jones von der "International Crisis Group" in Jakarta. Die in Südostasien operierende "Jemaah Islamiyah" (Islamische Gemeinschaft) wird für zahlreiche Bombenanschläge in Indonesien verantwortlich gemacht. Sie gilt als Drahtzieherin der verheerenden Bombenanschläge auf Indonesiens Ferieninsel Bali im Oktober 2002, bei denen mehr als 200 Menschen starben, sowie des Anschlags auf die australische Botschaft in Jakarta im Jahre 2004.

In den Polizeiakten hat sich Etliches über Abu Dujana angesammelt: So hat er 1989 eine Militärausbildung in Afghanistan absolviert und für die Mudschaheddin gekämpft. Auch soll der heute 38-Jährige, der fließend Arabisch und Englisch spricht, Al-Qaida-Chef Ussama Bin Laden getroffen haben. Später knüpfte Abu Dujana Kontakte zu malaysischen Terroristen: Als Lehrer an einer Islamschule im malaysischen Johor hatte er Noordin Muhammad Top kennengelernt. Der galt in der JI als Geldbeschaffer.

Ermittler werfen Abu Dujana unter anderem vor, Top, den Anführer einer JI-Splittergruppe, versteckt zu haben. Durch etliche Verhaftungen von prominenten JI-Mitgliedern geriet das Terrornetzwerk seit den Bali-Attentaten verstärkt unter Druck. Ermittler gehen davon aus, dass Abu Dujana Teile der Jemaah Islamiyah neu strukturieren musste. Die Polizei wird spätestens seit ihrem Fang vom Wochenende nicht müde zu betonen, dass Abu Dujana wichtiger sei als der sich weiterhin auf der Flucht befindliche Top oder der malaysische Technikstratege und Bombenbauer Azahari bin Husin, der im November 2005 bei einer Polizeirazzia ums Leben kam.

Längst habe Dujana den Platz von Top eingenommen, heißt es. Vor wenigen Monaten meldeten indonesische Medien, dass Dujana zudem einen neuen militärischen Flügel der JI namens "Sariyah" (Militärische Gruppe) anführe. "Falls er bereit ist, auszusagen", so Terrorismusexpertin Jones, "würde er der Polizei eine Menge über die jetzige Struktur, die Stärke und die internationalen Verbindungen der JI erzählen können."


(aus WATCH INDONESIA! e.V.
Arbeitsgruppe für Demokratie, Menschenrechte und Umweltschutz in Indonesien und Osttimor e.V.
Internet: home.snafu.de/watchin, eMail für Info-Dienst-Abo
watchindonesia@snafu.de)

 



 

NababanVEM-Infoservice, Oktober 5/2006
Soritua Nababan

Das Verhältnis zwischen Islam und Christentum in Indonesien
Eine Herausforderung für die Gegenwart und die Zukunft

Die Religionen in Indonesien stehen in der Zeit der "Reformasi" seit 1998 vor mindestens fünf Herausforderungen, denen sie sich möglichst gemeinsam stellen sollten.

1. Herausforderung: Religionsfreiheit

Im indonesischen Grundgesetz von 1945 heißt es: "Der Staat garantiert jedem Bürger die Freiheit, seine Religion zu wählen und Gottesdienst entsprechend dieser Religion oder seiner Glaubensrichtung zu feiern." Hier gibt es zwei offene Probleme die seit der Zeit der „Neuen Ordnung“ (1966 bis 1998) heftig diskutiert werden und oftmals Spannungen und gewaltsame soziale Konflikte auslösen: die Freiheit zur Mission, oft auch die Freiheit zur Ausbreitung der Religion genannt, und die Freiheit, Gebäude für den Gottesdienst zu errichten.

Die Frage der Ausbreitung der Religion und ihrer Begrenzung wurde seit dem Anfang der „Neuen Ordnung“ von den Machthabern immer wieder aufgeworfen. Am 1. November 1967 wurde in Jakarta ein Treffen der Führer aller Religionen einberufen. Mit Hilfe der Islamführer zwangen die Militärmachthaber diesem Treffen ein Konzept auf, das die Ausbreitung der Religion unter denen, die schon eine Religion haben, verbietet. Als Grund wurde die Wahrung der Sicherheit angegeben, die notwendig sei, um sich auf die Ausrottung der Kommunistischen Partei (PKI) und ihrer Anhänger konzentrieren zu können. Im Hintergrund steht jedoch folgender Sachverhalt: Nach der Lehre des Islam ist ein Religionswechsel (murtad) verboten und sollte deshalb durch den Staat nicht erlaubt, sondern verboten werden.

Trotz der Androhung, ihre Sicherheit könne nicht mehr garantiert werden, falls sie nicht unterschreiben, haben die Führer der Protestanten und Katholiken sich geweigert, dieses konzipierte Verbot der Mission zu unterzeichnen. Während der ganzen Zeit der „Neuen Ordnung“ haben sie dann diesbezüglichen neuen Versuchen der politischen Machthaber mit Festigkeit widerstanden, mit der Begründung, dass die Religionsfreiheit durch das Grundgesetz von 1945 garantiert ist. Diese Frage ist ein ungelöstes Problem geblieben, obwohl seit Anfang der sechziger Jahre das Bewusstsein gewachsen ist, dass die Religion universal und die Mission ein unaufgebbares Element der Religion ist.

Der zweite Punkt betrifft die Errichtung von Gottesdienstgebäuden. Im Jahr 1969 haben der Religionsminister und der Innenminister eine gemeinsame Entscheidung (SKB Dua Menteri) herausgegeben, die das Errichten von Gottesdienstgebäuden regelt. Diese hat eine gravierende Schwäche: Sie bindet die Erteilung der Baugenehmigung an die Zustimmung der Bewohner, die in der Umgebung des Bauprojektes leben und die in der Regel dem Islam angehören. Hier sind Spannungen und Konflikte vorprogrammiert. Die christlichen Bürger (Protestanten und Katholiken) haben großen Nachholbedarf in Sachen Kirchbau, denn sie konnten sich erst nach der Erlangung der Freiheit Indonesiens im ganzen Land ausbreiten. Nun möchten sie dort, wo sie leben und arbeiten, auch ihre Gotteshäuser bauen können.

Genau genommen sind die Religionsfreiheit, die Wahrung der Menschenrechte und andere im indonesischen Grundgesetz von 1945 klar enthalten. Würde man die vorhandenen Gesetze anwenden, gäbe es keine grundsätzlichen Probleme. Die Realität sieht aber anders aus. Zur Stützung einer schwankenden Politik hat die Regierung unter dem Grundgesetz von 1945 viele Gesetze erlassen, die im Gegensatz zum Grundgesetz von 1945 stehen.

Den Kirchbau betreffend, haben die Muslime eine besondere Frage an die Christen. Warum müssen an einem Ort zwei oder auch mehr Kirchen in nächster Nachbarschaft stehen? Für die Muslime ist das unverständlich, denn obwohl der Islam auch verschiedene Organisationsformen und religiöse Richtungen kennt, versammeln sich alle in einer Moschee. Die Christen aber brauchen für jede Organisation und Denomination eine eigene Kirche. Bleibt diese Frage ohne Antwort, so muss bei den Muslimen der Eindruck entstehen, dass es den Christen hierbei um eine besondere Methode der Christianisierung gehe, oder dass die Christen unermesslich reich sein müssen. Die Christen werden sich dieser Frage der Muslime stellen müssen. Sie werden auch darüber nachzudenken haben, was es heißt, in einem ökumenischen Geist Kirche für andere, für Christen und Anhänger anderer Religionen zu sein.

2. Herausforderung: Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft

Indonesier leben in einer vielfach zusammengesetzten Nation. Aber auch sie haben sich nach der Erlangung der Freiheit geöffnet. Dass die nationale Einheit in dieser zusammengesetzten Vielfalt nicht untergeht, dafür hat von Anfang an der Slogan „bhinneka tunggal ika“ - „verschieden aber eins“ gesorgt. Er hält das Einheitsgefühl wach. Die Erfahrung der neuen Gesellschaft bringt allerdings auch die Gefahr mit sich, dass die urtümlichen Bindungen wie z. B. die Stammesbindung, die mit ihren starken Wurzeln im Volksleben und in der Religion noch eine aktive Rolle spielt, vergessen werden.

Der starke Einfluss der Volksgruppen und ihrer Kultur auf die Religion wird in Indonesien wie auch im Ausland oft übersehen oder unterschätzt. Die Art wie die Batak ihr Christsein leben, ist durch ihre Adat und Kultur mitgeprägt und unterscheidet sich von der  Form des Christseins der Menschen auf Java, die ihrerseits dem Einfluss der javanischen Adat und Kultur unterliegt. Dasselbe gilt auch für den Islam. Die starke Verbindung zwischen der Religion und der lokalen Kultur entscheidet mit darüber, wie sich diese Religion nach außen darstellt.

3. Herausforderung: Bewältigung der Korruption und Überwindung der Armut

Schon 1998 waren sich die Abgeordneten des Volkskongresses (MPR) einig, dass die Bekämpfung der Korruption, der unsauberen Geschäftspraktiken und des Nepotismus (KKN) eine vordringliche Aufgabe für die „Reformasi“ ist. Acht Jahre danach hat die KKN, die damals ein Krebsgeschwür genannt wurde, alle Schichten der Gesellschaft durchdrungen. Manche nennen diese Krankheit auch „praktischen Atheismus“. Äußerlich gesehen ist das indonesische Volk sehr religiös. An jedem Freitag strömen die Muslime in die Moscheen. An jedem Sonntag sind die Kirchen der Christen voll. Alle Kinder erhalten Religionsunterricht vom Kindergarten bis zur Hochschule. Fünf Mal werden die Muslime täglich zum Gebet aufgerufen. Und doch gibt es Korruption, unsaubere Geschäftspraktiken und Nepotismus (Vetternwirtschaft).

Eine weitere dringende Aufgabe ist, den fortschreitenden Prozess der Verarmung zu stoppen und langfristig die Armut möglichst zu überwinden. Die Armut ist kein unabwendbares Schicksal, auch nicht vorwiegend durch Faulheit oder Dummheit verursacht. Sie ist vielmehr eine Frucht der zunehmenden Ungerechtigkeit, verursacht durch das ungerechte Handeln der Machthaber und der ererbten alten Gesellschaftsstruktur. Diese wird allerdings dadurch verstärkt, dass die politischen und wirtschaftlichen Machthaber sich dieser Struktur für ihre Politik bedienen.

Die wachsende Einsicht in die Zusammenhänge der Wirtschaftspolitik erzeugt allgemein Misstrauen gegenüber den internationalen Organisationen wie der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds (IMF) und der Welthandelsorganisation (WTO), von denen man annimmt, dass sie das Volk verdummen und in Armut stürzen. Auch gegenüber den ausländischen multinationalen Organisationen verstärkt sich die Ablehnung in vielen Formen bis hin zu ihrer Schließung durch das Volk (Newmont, Freeport, Exxon Mobile USA und andere). Diese Unternehmen werden abgelehnt, weil ihre Anwesenheit für das soziale und wirtschaftliche Leben der Menschen in der jeweiligen Region in keiner Weise relevant ist. Was den Menschen in der Region bleibt, ist die Verwüstung und Verschmutzung ihres Lebensraumes. Die vorhandenen Schätze werden bis auf den Grund ausgebeutet, aber die Bevölkerung bleibt arm. Die ausländischen Unternehmen sind dagegen der Überzeugung, sie erfüllten ihre Verpflichtungen der indonesischen Regierung gegenüber entsprechend ihren Verträgen. In Wirklichkeit ist ihr gutes Verhältnis zur Regierung durch die Praxis der Bestechung bestimmt.

Ein anderer Grund, der die Entwicklung behindert, ist das weit fortgeschrittene soziale und wirtschaftliche Ungleichgewicht. Die ererbte feudalistische Sozialstruktur wurde durch die in der Kolonialzeit herrschende Ungerechtigkeit und später durch die „Neue Ordnung“ verstärkt und hat die spätere Entwicklung der Wirtschaft in Indonesien entscheidend mitbestimmt und die soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeit vergrößert.

Besonders bedrückend ist die Ungleichheit zwischen den Gruppen der Superreichen und den Millionen von Menschen unter der Armutsgrenze. Der hier notwendige Ausgleich ist durch die Regierung oder die Wirtschafts- und Finanzfachleute kaum zu erreichen. So wird diese Ungleichheit von Tag zu Tag größer und löst Gewalt und viele soziale Konflikte aus.

Wie kann die Kirche helfen? Sie ist zumindest gerufen, sich für den Ausgleich konsequenter einzusetzen. Als ständiger Wegweiser sollte die sozialökonomische Dimension des „Shalomkonzeptes“ dienen, das durch geeignete Aktionen vergegenwärtigt werden muss. Wenn die Führer des Islam neuerdings betonen, dass schon der Name Islam Friede bedeutet, und wenn Hasyim Muzadi (Vorsitzender der Islamorganistation "Nahdlatul Ulama" - NU) die Kirchen in Indonesien einlädt, gemeinsam an der Schaffung von Frieden zu arbeiten, so stellt dieses Zusammentreffen der Gedanken eine konkrete Möglichkeit dar, lokal und national gemeinsam für die Überwindung der Armut zu arbeiten. Sicher ist: Solange die Mehrheit des Volkes in Armut lebt, wird es weiterhin zu spontanen Gewaltakten kommen.

4. Herausforderung: Radikale Gruppen

Zunächst sahen die beiden großen Islamorganisationen NU und Muhammadiyah in ihren Kreisen den Grund für deren Entstehen in einem ethischen Rigorismus. "Sie sind aufgekommen, weil der Staat zu schwach ist, bestimmte Formen der Immoralität wie die Spielleidenschaft und die Pornographie durch Gesetz zu bekämpfen“, so Syamsuddin, der Vorsitzende der Muhammadiyah. Etwas anders der Vorsitzende der NU. Er rief dazu auf, die radikalen Gruppen durch Überzeugungsarbeit zu bewegen, nicht exklusiv, sondern offen zu sein und die plurale Gesellschaft zu akzeptieren. Heute müssen sie erkennen, dass diese Gruppen nicht nur auf dem moralischen Sektor kämpfen, sondern begonnen haben, anderen ihren Willen gewaltsam aufzuzwingen. Dies bedroht alle für die Zukunft notwendige Zusammenarbeit. Es soll, nicht verschwiegen werden, dass auch auf christlicher Seite exklusive und radikale Gruppen aktiv sind. Auch von ihnen lassen sich einige dazu hinreißen, in der Öffentlichkeit Gewalt anzuwenden. Wenn die Rede auf das Problem des Terrorismus kommt, betont die Islamgemeinde im allgemeinen, dass sie ihn ablehnt. Sie sieht ihn als das Unternehmen eines internationalen Netzes an, wobei die Religion nur als „Schild“ dient. Hinter den Aktionen des Terrorismus stehen politische Belange, sicher auch das Problem der Ungerechtigkeit zwischen den Völkern. Die USA haben auf den Terrorakt am 11. September 2001 ungemein hart reagiert. Eine unnötige Propaganda begleitete diese Reaktion. Präsident Bush benutzte in seiner Rede am 12. September 2001 die Formulierung. „Kreuzzug zur Bekämpfung des Terrorismus“. Für die Ohren der meisten Muslime klingt das wie ein Kampfaufruf zum Krieg für das Kreuz (heiliger Krieg).

Die Mehrheit der Muslime in Indonesien gehört heute zum moderaten und modernen Islam, der in der Islamgemeinde einen stärkeren Einfluss als die radikalen Gruppen ausübt. Freilich sind noch „Wanderprediger“ unterwegs, die Hass gegen die Christen, den Westen und Amerika predigen. Zugleich aber sehen wir, wie die moderne und liberale Generation erstarkt und wie sie es wagt, den traditionellen und radikalen Gruppen entgegenzutreten, um sie durch Aufklärung für ein offenes, plurales Leben zu gewinnen, in dem einer den anderen anerkennt und respektiert. Diese Generation ist bereit, in eine Zusammenarbeit für Frieden, Gerechtigkeit und Erhaltung der Schöpfung einzutreten. Sie ist entschlossen, die eigentlichen Gründe für den Terrorismus, die in der globalen, regionalen, und nationalen Ungerechtigkeit zu suchen sind, aufzuklären. Sie hüten sich vor der von Furcht bedingten Einseitigkeit. Sie glauben den Parolen nicht, dass es ausschließlich um einen Krieg zwischen Feinden geht. Ein Zeichen, das in eine bessere Zukunft weist, ist auch die Tatsache, dass immer mehr Nichtregierungsorganisationen innerhalb der Religionen gegründet werden.

In diesem Zusammenhang möchte ich einige Sätze aus dem Statement der Versammlung des Weltkirchenrates im Februar 2006 in Porto Alegre bezüglich des Terrorismus zitieren:

"Die Gewalt des Terrorismus - in allen seinen vielfältigen Formen - ist verabscheuenswürdig für alle, die glauben, dass menschliches Leben eine Gabe Gottes und aus diesem Grunde unendlich wertvoll ist. Jeder Versuch, andere Menschen einzuschüchtern durch willkürliche Handlungen, die zu Tod und Verletzungen führen, ist immer und überall zu verurteilen. Die Antwort auf den Terrorismus darf jedoch nicht eine Antwort mit den gleichen Waffen sein, denn dies kann zu mehr Gewalt und mehr Terror führen. Vielmehr ist ein gemeinsames Engagement aller Nationen nötig, um jegliche Möglichkeit zur Rechtfertigung solcher Handlungen zu beseitigen. (...) Terroristen berufen sich bei ihrem Handeln auf absolute Forderungen. Manchmal wird Religion als Vorwand für die Anwendung von Gewalt benutzt, die als von Gott gebilligt verstanden wird. Wir (...) erklären unmissverständlich, dass Terror in Form von willkürlichen Gewaltakten gegen unbewaffnete Zivilpersonen zu politischen oder religiösen Zwecken nie gesetzlich, theologisch oder ethisch gerechtfertigt werden kann.“ Diese Vollversammlung hat auch das Konzept des „Krieges gegen den Terror“ zurückgewiesen. Weiterhin wurde dazu aufgefordert, dass sich alle Religionen mit ihrem inneren Reichtum daran beteiligen mögen, die Menschen zum Frieden und zur Versöhnung zu führen. Das ist auch unsere Hoffnung in Indonesien.

5. Herausforderung: Inklusive Texte in den Vordergrund stellen

Eine weitere Herausforderung stellt ein Aufruf dar, den prominente Leute der „Reformasi“ unterschiedlicher religiöser, Richtungen im Jahr 2000 erlassen haben - einen Tag nachdem Kirchengebäude am Weihnachtstag in Brand gesteckt wurden. Die Religionen mögen doch mit Vorrang diejenigen Texte ihrer Schriften in den Vordergrund rücken, die inklusive Bedeutung haben, die die Offenheit betonen und die Gleichheit aller Menschen, auch die Gleichheit zwischen Mann und Frau anerkennen, also Texte, die uns helfen, die gemeinsamen Belange für den Frieden, die Gerechtigkeit und für die Wahrung der Menschenrechte als für uns verbindlich zu erkennen. Dieser Aufruf verdient es, ernsthaft und intensiv in den theologischen Ausbildungsstätten und von den führenden Persönlichkeiten beachtet zu werden.

Einer von den Verantwortlichen für diesen Aufruf war ich selber. Mir ist dabei klar geworden, in wie vielen Dingen wir umdenken müssen. Zum Beispiel in unserem Verständnis von „Liebe“. Viele von uns verhalten sich wie der Priester und der Levit in dem Gleichnis bei Lukas (Lukas 10, 25‑37). In Wirklichkeit lässt dieses Gleichnis nur die Deutung der Liebe als fürsorgende Zuwendung zum Nächsten ohne Ansehen der Person zu. Wie beharrlich glauben wir doch als christliche Gemeinde in Indonesien, unser Herr würde nur die Christen lieben (so die Theologie Bushs), und vergessen dabei Johannes 3,17 und Psalm 145,9.

Auch unsere muslimischen Schwestern Brüder sind dabei, viele Dinge neu zu entdecken. So beweisen Muslime, die zum Netz des liberalen Islam (JIL) gehören, aus dem Koran, wie viele Aspekte bisher falsch verstanden worden sind. Sie erheben neue Erkenntnisse aus dem Koran: Offenheit, Gleichheit, gegenseitige Fürsorge, Frieden, Gerechtigkeit und anderes. Dies ist ein Zeichen der Hoffnung für eine bessere Zukunft.

Einige Vorschläge für die Schwestern und Brüder im Westen:

1. Paradigmenwechsel

Die Zeit für einen Paradigmenwechsel ist gekommen. Das alte Paradigma für unser Verhältnis zum Islam wurde über Jahrhunderte durch die Konzeption des corpus christianum und die Erfahrungen der Kreuzzüge („Kreuzkriege“) im11./12. Jahrhundert bestimmt.

Die Zeiten haben sich geändert. Der Islam ist nicht mehr nur mit den Arabern identisch. Die Mehrheit des Islam lebt nicht mehr im Nahen Osten, sondern in Asien, besonders in Indonesien, Indien, Bangladesh, um zunächst die Länder zu nennen, in denen die meisten Muslime wohnen, deren Islam offen, und moderat ist. Hinzu kommen dann Pakistan, Malaysia, Iran und der Irak. Diesen Paradigmenwechsel bewusst zu machen, ist vor allem die nicht mehr aufzuschiebende Aufgabe der theologischen Ausbildungsstätten.

2. Revision von Grundvorstellungen vom Islam

Für die Kirchen im Westen bedeutet dies, dass auch sie ihr Verständnis der tragenden Grundvorstellungen des Islam einer grundlegenden Revision unterziehen müssen. Dies betrifft weiter die Bereitschaft, die Ergebnisse bisheriger gemeinsamer Überlegungen ökumenischer Dialogbegegnungen nutzbar zu machen. Notwendig ist auch ein klareres Verständnis dessen, was Dialog und was Mission ist. Die Ergebnisse einer solchen Revision werden dann für eine umfassende Revision der Lehre, der Liturgie und der zur Form erstarrten Gebete von Nutzen sein. Das besagt, dass die bisherigen Dialogbemühungen verstärkt und ausgeweitet werden müssen.

3. Nachbarschaft von Gemeinde und Moschee

Es wäre sehr nützlich, wenn Gemeinden, die in der Nachbarschaft einer Moschee leben, initiativ werden und Verbindungen des gegenseitigen Verstehens entwickeln. Wenn möglich, sollten Vorurteile, die beiden Seiten bisher erheblich geschadet haben, gemeinsam abgebaut werden. Der Dialog sollte am Ort der Moschee und der Gemeinde stattfinden. Die Islamophobie, die Angst überhaupt, der Hass, die Gefahr, neuartige Gettos zu eröffnen - dies alles könnte verhindert werden, wenn die Gemeinde, besonders die Gemeinde in der Nachbarschaft der Moschee, sich ernsthaft bemüht, die „Früchte des Geistes“, von denen der Apostel Paulus spricht (Galater 5,22), in ihrem Leben zu verwirklichen. Die Unterschiede im Denken der christlichen und der islamischen Gemeinde müssen und werden den Aufbau der Beziehung und ein friedliches Zusammenleben nicht verhindern. Das Leben in Pluralität beginnt an unserem Ort.
 

Der obige Text ist eine gekürzte und redigierte Fassung eines Vortrages an der Universität Münster am 22. Juni 2006. Ephorus Dr. Soritua A. E. Nababan ist Altbischof der Protestantisch-Christlichen Batak-Kirche (HKBP). Er war von 1996 bis 2000 erster Moderator der internationalen VEM und ist heute einer der acht Präsidenten des Weltrats der Kirchen (ÖRK).
(Foto: www.wcc-coe.org/wcc/press_corner/nababan-bio-g.html)

 


 

The Jakarta Post, 10 Oct 2005

Want to marry RI woman? Pay Rp 500m in deposit

Muninggar Sri Saraswati, Jakarta

If you happen to be a not-so-rich foreign gentleman who plans to marry an Indonesian lady here, you'd better tie the knot quickly as the authorities may put an expensive price tag on Indonesian women in the future. Unknown to many, the Supreme Court is mulling requiring foreign men to deposit some Rp 500 million (about US$50,000) before marrying Indonesian female citizens.

The idea was recommended during a recent Supreme Court national working meeting, which was attended by the Supreme Court leadership and top judges from across the country. It was not immediately clear how the proposed scheme would be implemented. But according to a document studied at the meeting, such a regulation is applied in Egypt, where foreign men are required to pay a sum of money into a state bank before marrying Egyptian citizens.

„In a bid to protect women, the state of Egypt requires every (male) foreigner who plans to marry an Egyptian citizen to pay 25.000 Egyptian pounds into the Nasser Bank as a bond,“ said the document, a copy of which was made available to The Jakarta Post over the weekend. The Supreme Court may likely follow up on the idea by submitting it to the government or the House of Representatives, which would draft the ruling. The recommendation by the male-dominated Supreme Court will add to the complications faced by transnational couples wishing to register their marriages here.

Many consider the current Indonesian law on citizenship as failing to protect transnational couples, particularly marriages between Indonesian women and foreign men. Such couples must go through lengthy and complicated immigration and other processes to legalize their marriage under Indonesian law.

More problems usually occur later since the Citizenship Law (No. 62/1958), which applies the outdated bloodline principle, does not allow foreign men married to Indonesian women to change nationality, while any children of the marriage will automatically take the same citizenship as the father. The non-Indonesian husband and children are then treated in much the same way as foreign tourists or visitors. It means they must fly to neighboring countries to renew their visas should the family decide to live in Indonesia.

According to the law as it now stands, when an Indonesian woman who is married to a foreign man dies, her name cannot be inherited by her husband and children. The Indonesian government instead auctions off the property within one year, leaving the mourning family homeless. The unfavorable situation has forced many Indonesian women to marry their foreign fiances abroad, although this does not actually solve the problem should they decide to live in Indonesia.

The Ministry of Justice and Human Rights has submitted a bill to amend the 1958 Citizenship Law to the House of Representatives. However, the House has yet to list it for further deliberation.


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