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BALI - Land
und Leute
Ein geheimnisvoller Mythos scheint das
Eiland zu umwehen
Die 17.000 Inseln
Indonesiens
ziehen sich zwischen dem asiatischen Festland und Australien wie
eine Perlenkette über mehr als 5.000 km von Sumatra bis Irian
Jaya am Äquator entlang.
Mittendrin liegt Bali,
eine fast 140 km lange und 80 km breite Insel, auf der fast 3,4
Millionen Menschen leben. Von West nach Ost wird
Bali von einer Bergkette vulkanischen Ursprungs
durchzogen, die als Wetterscheide wirkt und der Insel eine
vegetationsärmere Nord- und eine überaus fruchtbare Südhälfte
beschert. Terrassenförmig angelegte Reisfelder, von
Bewässerungsgräben durchzogen, Kraterseen und Palmenwälder
bestimmen das Landschaftsbild.
Bali hat
ein ausgesprochen verträgliches Klima. Es ist das ganze Jahr
über tropisch warm - mit Durchschnittstemperaturen von 25 bis 30
Grad und (bes. von Nov. bis März) ziemlich hoher
Luftfeuchtigkeit. In Küstennähe bringt fast immer eine leichte
Brise von der See angenehme Kühlung. Auch in der regenreichsten
Zeit zwischen Dezember und Februar regnet es nicht ständig,
sondern oft nur in kurzen - dafür aber kräftigen - Monsunschauern.
Da Bali
nur wenig südlich des Äquators liegt, scheint die Sonne ziemlich
genau 12 Stunden täglich, von etwa 6:30 bis 18:30 Uhr. Morgen-
und Abenddämmerung sind kurz, ebenso die Sonnenauf- und
-untergänge.
Beim Aufruf dieser Seite war es auf Bali
Uhr.
Eine lebendige Kultur, einzigartige Künste und Zeremonien,
freundliche Menschen und eine wunderschöne Landschaft machen
Bali zu einer Insel, die in unserer sich
schnell verändernden Welt fast unwirklich scheint.
Durch einen vollständig anderen
Lebensstil - im Vergleich zum restlichen Indonesien - haben die
Balinesen
es geschafft, trotz der zunehmenden ausländischen Einflüsse ihre
Kultur zu bewahren.
Unter dem Titel "Szenen
aus dem Paradies" hat Markus Niesen auf Henkys Homepage sehr
treffend zahlreiche Begebenheiten aus dem heutigen Alltagsleben
Balis beschrieben:
http://www.henky-online.de/szene/szene.htm
Von der Faszination Balis können
Sie ein wenig erahnen, wenn Sie zwei kurze Dia-Shows bei YouTube anzuklicken:
Bali 2005 und
Bali Forever.
Geschichte Balis
Archäologische Spuren belegen, dass auf
Bali
bereits ca. 2.000 v. Chr. eine primitive und megalithische Zivilisation
existierte; aber insgesamt liegt die Vorgeschichte Balis relativ im Dunkeln.
10. Jh. Der
balinesische König Udayana heiratete die javanische Prinzessin Mahendradatta. Es
begann die Hinduisierung Balis, obwohl schon vorher einzelne Bahmanen die
Religion von Java nach Bali brachten. In den folgenden Jahrhunderten wurde die
kulturelle und wirtschaftliche Abhängigkeit Balis von Java immer größer, und
1443 wurde
Bali eine Provinz des hinduistischen Majapahit Großreiches.
16. Jh. Durch
die Ausbreitung des Islams auf Java zerfiel das Majapahit-Reich, und der
hinduistische Adel flüchtete nach Bali, wo sich der Sohn des letzten Majapahit-Herrschers zum König von
Bali ausrief.
17. Jh. Das
balinesische Reich zerfiel in Fürstentümer. Um 1900 existierten acht
selbständige Fürstentümer.
1846 begann
die Eroberung Balis durch die Niederländer. Zunächst wurde jedoch nur der Norden
mit dem einzigen großen Hafen der Insel in Singaraja unterworfen.
1906-1908
wurde die ganze Insel niederländische Kolonie. Bei Kämpfen in Badung und
Klungkung wählten Tausende von Balinesen den Freitod (Puputan).
1941-1945 Im
Zweiten Weltkrieg fiel ganz Indonesien in die Hände der Japaner, die die
Holländer als Besetzer ersetzten.
1945-1949 Nach
der Kapitulation der Japaner erhoben die Holländer erneut Anspruch auf die
Insel. Es folgten blutige Kämpfe zwischen balinesischen Widerstandskämpfern und
Niederländern.
Seit 1949
wurde die Provinz Bali Teil Indonesiens.
1963 Ausbruch
des Vulkans Gunung Agung; Dörfer wurden unter den Lavaströmen begraben, und
Tausende von Menschen kamen ums Leben.
1964 Der
Übergang zwischen der Herrschaft des Staatsgründers General Sukarno auf General
Suharto wurde von einer furchtbaren Kommunistenhetzjagd begleitet. Auf Bali
wurden 100.000 Menschen von ihren eigenen Landsleuten umgebracht.
1965 übernahm
General Suharto die Macht, er wurde 1968 zum
Staatspräsidenten gewählt.
Tourismus
Der Tourismus
hat auf
Bali
vor etwa 80 Jahren begonnen. Nach der Schlächterei des Ersten
Weltkriegs, auf dem Höhepunkt des weltweiten Imperialismus,
sehnten sich viele Europäer danach, die exotische Welt außerhalb
Europas kennenzulernen. Durch die in den Zwanziger- und
Dreißigerjahren verfassten, übertriebenen Reiseberichte ist die
Vorstellung von einem idealen Bali
entstanden. Zur Geburt des Bali-Mythos
schreibt Adrian Vickers in dem Buch Reise nach Bali
(Unionsverlag Zürich, 2007, S. 61): "Aus der Perspektive des
grauen, nachviktorianischen
London oder des
verwüsteten Europa der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gesehen
und auch für das noch immer an seine puritanische Vergangenheit
gebundene Amerika, das gerade in der großen Depression versank,
versprach dieses sinnliche und exotische
Bali
Entzückungen, von denen man noch nie gehört hatte." Mit der
Entwicklung des Flugverkehrs und der Fernreisen in den
70er und 80er Jahren begann der Tourismus auf
Bali zu boomen.
Trotzdem fasziniert Bali bis
heute! Das brachte
vielen Menschen Arbeit und Brot und führte zu einem gewissen Wohlstand.
In den
vergangenen Jahren haben mehrere schlimme Ereignisse und
Katastrophen für negative Schlagzeilen zu Indonesien in den
Medien gesorgt, z. B. der verheerende Bombenanschlag auf die
Diskotheken Paddy's und Sari-Club, mit dem
islamistische Fundamentalisten (nicht von
Bali!) am 12. Okt. 2002 206
meist junge Menschen in den Tod gerissen haben oder die
Tsunami-Flutwelle vom 26. Dez. 2004 mit über 200.000 Toten. Die
furchtbaren Ereignisse haben viele Touristen abgeschreckt und
vorübergehend wegbleiben lassen; inzwischen sind die alten
Zahlen von rund 2 Millionen Touristen jährlich wieder erreicht.
Ehrlicherweise darf man aber auch nicht
verschweigen, dass der Tourismus Bali nicht nur Vorteile beschert (hat). Rüdiger
Siebert schreibt in seinem Buch Deutsche Spuren in Indonesien (siehe
Literatur), Seite 191:
"Was Rendra, der ... javanische Lyriker ... 1977 in seinem Gedicht über Bali als
warnende Voraussage formulierte, ist ja längst Gegenwart geworden:
'Und in Bali machen die einheimischen Hotels bankrott, zerquetscht von den
package tours.
Die Volkskultur ist verunreinigt, platt gedrückt von den internationalen
Handelsnormen.
Die Tänze sind keine Beschwörungen mehr, sondern nur noch Darbietungen zur
Unterhaltung.
Bildhauerei und Schnitzerei sind nicht mehr Ausdruck der Seele, sondern nur noch
Kunsthandwerk.
Das Leben wird von den Wünschen von Menschen beherrscht,
ohne dem Lauf der Natur Beachtung zu schenken.
Die Herrschaft des menschlichen Willens, die mit aller Kraft institutionalisiert
ist, kümmert sich nicht um den Instinkt der Nieren, der Leber, der Galle, der
Flüsse und der Wälder.
In Bali sind Strände, Berge, Betten und Tempel besudelt.'
(Nach der Übersetzung von Martina Heinschke).
Und von dem Multitalent Walter Spies
schreibt Rüdiger Siebert im oben genannten Buch auf Seite 192:
"Im Oktober 1938 sind seine Beobachtungen zum in Schwung gekommenen Tourismus
und dessen Folgen bereits von Enttäuschung und Abkehr geprägt: '... denn was
so im allgemeinen an Touristen verkauft wird, ist solch ein Schund und Kitsch,
und die ganze 'Kunscht' geht zum Teufel. ... Der Tourismus, der immer mehr
zunimmt, hat ziemlich fatalen Einfluss darauf, denn es werden wahllos Tänze
vorgeführt, gekürzt, modernisiert, dem Geschmack der Touristen angepasst, mit
schlechten oder ganz korrumpierten Gamelans, und natürlich bemühen sich die
Balinesen nicht, etwas Gutes zu leisten, wenn das Schlechte auch ebenso Anklang
findet.'
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